Dienstag, 6. November 2007

Der seltsame Garten

Vorsichtig drückte ich die rostige Falle nieder und stiess das verwitterte Gartentor auf. Die Scharniere knarrten. Samtfüssig betrat ich den Garten. Mitten auf dem Rasen stand ein Klavier. Das Klavier war schwarz, ohne Schnörkel.

Ich näherte mich dem Klavier mit fixiertem Blick, setzte mich auf den Stuhl davor und tippte auf das C. Es erklang - der Gesang eines Buchfinken. Ich tippte auf das F. Eine Blaumeise ertönte. Ein D. Eine Amsel. G. Drossel.

Verwundert hielt ich inne. Ich stand auf und hob behutsam den Deckel des Saitenkastens. Fast 100 Augenpaare blickten mich an. An jede einzelne Saite war ein Singvogel geschnürt. Das Hämmerchen drohend davor. Ein Federpiano, dachte ich für mich. Ich befreite alle Vögel. Geflatter. Das Klavier zerfiel zu Asche und ich – ich erwachte.